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„Schockierender Rückschritt, der uns alle betrifft“: Firmen kehren zu altmodischen Vorstellungsgesprächen zurück

Mara Neumann Von Mara Neumann
3 Min. Lesezeit
„Schockierender Rückschritt, der uns alle betrifft“: Firmen kehren zu altmodischen Vorstellungsgesprächen zurück
Illustration von einem persönlichen Vorstellungsgespräch in einem Büro.
KURZ GESAGT
  • 📉 Angesichts von Betrugsversuchen kehren Unternehmen zu persönlichen Vorstellungsgesprächen zurück.
  • 💼 Große Konzerne wie Google und Cisco setzen wieder auf persönliche Meetings.
  • 🔍 Biometrische Verifizierungen werden zur Sicherstellung der Identität der Bewerber eingesetzt.
  • 📈 Der Anteil persönlicher Gespräche ist in kurzer Zeit von 5 % auf 30 % gestiegen.

In den letzten Jahren haben sich Vorstellungsgespräche zunehmend in den virtuellen Raum verlagert. Die Coronapandemie beschleunigte diesen Wandel und machte Videocalls zu einem festen Bestandteil des Bewerbungsprozesses. Diese Entwicklung hatte mehrere Vorteile: Bewerberinnen und Bewerber mussten keine langen Anreisen mehr in Kauf nehmen, und Unternehmen konnten den Rekrutierungsprozess effizienter gestalten. Doch in jüngster Zeit zeichnet sich eine bemerkenswerte Kehrtwende ab. Große Konzerne wie Cisco, McKinsey und Google setzen wieder verstärkt auf persönliche Gespräche vor Ort. Ein wesentlicher Grund dafür sind die zunehmenden Betrugsversuche, die durch den Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT begünstigt werden.

Rückkehr zu persönlichen Vorstellungsgesprächen

Immer mehr große Unternehmen reduzieren den Einsatz von Videocalls und kehren zu klassischen, persönlichen Vorstellungsgesprächen zurück. Diese Entscheidung ist nicht ohne Grund. In den letzten Jahren haben sich Berichte über Bewerberinnen und Bewerber gehäuft, die während virtueller Gespräche KI-Tools nutzten, um ihre Fähigkeiten zu übertreiben. Besonders in technischen Berufen ist dieses Phänomen verbreitet. Bewerberinnen und Bewerber täuschen Programmierkenntnisse vor, indem sie während des Gesprächs KI-gestützte Antworten einholen.

Google hat bereits 2025 damit begonnen, in mindestens einer Bewerbungsrunde persönliche Gespräche zu führen, um die grundlegenden Fähigkeiten der Bewerberinnen und Bewerber besser beurteilen zu können. Sundar Pichai, der CEO von Google, betonte in einem Podcast, dass persönliche Gespräche entscheidend seien, um sicherzustellen, dass die Bewerberinnen und Bewerber über die notwendigen Grundlagen verfügen.

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Zunahme persönlicher Gespräche

Branchenexperten wie der Tech-Personalvermittler Mike Kyle beobachten einen deutlichen Anstieg der persönlichen Vorstellungsgespräche. Innerhalb weniger Monate stieg der Anteil der Unternehmen, die persönliche Gespräche verlangen, von fünf auf 30 Prozent. Diese Entwicklung ist eine direkte Reaktion auf die zunehmenden Betrugsversuche. Eine Umfrage des Beratungsunternehmens Gartner unter 3.000 Arbeitssuchenden ergab, dass sechs Prozent der Befragten bereits an solchen Betrugsversuchen beteiligt waren.

Die Prognosen von Gartner sind alarmierend: Bis 2028 könnte jedes vierte Bewerberprofil gefälscht sein. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit für Unternehmen, ihre Rekrutierungsprozesse anzupassen und persönliche Gespräche wieder verstärkt in den Vordergrund zu rücken.

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Neue Sicherheitsmaßnahmen gegen Betrug

Der Trend zu Remote-Arbeit und virtuellen Vorstellungsgesprächen hat auch unerwünschte Nebeneffekte. So gelang es nordkoreanischen Hackergruppen mit Hilfe von US-Bürgerinnen und -Bürgern, an lukrative IT-Jobs in amerikanischen Unternehmen zu gelangen. Auf ähnliche Weise könnten sich auch andere Cyberkriminelle Zugang zu Unternehmen verschaffen, um dort Daten oder finanzielle Mittel zu stehlen.

Um solche Betrugsversuche zu verhindern, setzen Unternehmen verstärkt auf Sicherheitsmaßnahmen. Personalverantwortliche achten auf Anzeichen für Betrug wie Flüstern im Hintergrund, Tippen auf der Tastatur oder unnatürlich lange Pausen. Diese Beobachtungen sollen helfen, verdächtige Bewerberinnen und Bewerber zu entlarven.

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Biometrische Verifizierung als Lösung

Einige Unternehmen gehen noch einen Schritt weiter und integrieren biometrische Überprüfungen in ihren Bewerbungsprozess. Cisco beispielsweise arbeitet mit Firmen zusammen, die solche Verifizierungen anbieten. Bewerberinnen und Bewerber müssen sich auf entsprechenden Plattformen verifizieren, um ihre Identität zu bestätigen.

Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die Personen, die sich bewerben, auch tatsächlich diejenigen sind, für die sie sich ausgeben. Laut Kelly Jones, einer Personalverantwortlichen bei Cisco, kann allein die Ankündigung eines persönlichen Gesprächs potenzielle Betrügerinnen und Betrüger verunsichern. Ein persönliches Treffen in der Endphase einer Bewerbung kann zudem letzte Zweifel ausräumen und die endgültige Entscheidung erleichtern.

Der Trend zurück zu persönlichen Vorstellungsgesprächen wirft die Frage auf, wie sich die Bewerbungsprozesse in Zeiten zunehmender Digitalisierung weiterentwickeln werden. Werden sich hybride Modelle etablieren, die die Vorteile beider Ansätze kombinieren, oder wird der persönliche Kontakt langfristig wieder dominieren?

Dieser Artikel basiert auf verifizierten Quellen und wird durch redaktionelle Technologien unterstützt.
Mara Neumann

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Mara Neumann

Mara Neumann hat als Verkäuferin in einem Elektronikfachmarkt in Köln angefangen und später Produkttests für einen Verbraucherblog geschrieben. Bei Smartphone-Web schreibt sie über Apps, vernetzte Geräte und Schnäppchen, immer mit dem tatsächlichen Preis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Zu Hause steuert sie das Licht per App, den Kaffee aber noch von Hand.