| KURZ GESAGT |
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Die digitale Landschaft verändert sich rasant. Eine aktuelle Studie des Dienstleisters Tollbit zeigt, dass die Zahl der echten Besucher:innen auf Websites dramatisch zurückgegangen ist. Gleichzeitig hat sich der Anteil automatisierter Aufrufe vervierfacht. Diese Entwicklung könnte tiefgreifende Auswirkungen auf Geschäftsmodelle haben, die auf Reichweite und Werbeeinnahmen angewiesen sind. Besonders besorgniserregend ist, dass viele dieser automatisierten Aufrufe von sogenannten „headless browsern“ stammen, die sich geschickt als echte Nutzer:innen tarnen. Publisher stehen damit vor der Herausforderung, dass ihre Zugriffszahlen zwar stabil erscheinen, sich jedoch nicht in tatsächliche Einnahmen umwandeln lassen.
Steigende Anzahl von Google-Crawlern
Mit der Einführung der AI Overviews im Herbst 2024 hat sich das Verhältnis bei Google ebenfalls verschoben. Die Aktivität des Googlebots ist um mehr als ein Drittel gestiegen, während die tatsächlichen Weiterleitungen abgenommen haben. Früher konnten 100 Crawls etwa 450 echte Klicks generieren. Heute sind es nur noch etwas mehr als 300. Diese Entwicklung bestätigt die Befürchtungen vieler SEO-Expert:innen, dass der Google-Traffic, der früher über 90 Prozent des Referral-Traffics ausmachte, auf knapp 84 Prozent gesunken ist.
Die Rolle von Google als dominierende Quelle für menschliche Website-Besucher:innen ist zwar noch immer unbestritten, doch die Stellung des Konzerns beginnt zu schwanken. Interessanterweise liefern KI-Plattformen wie ChatGPT oder Perplexity bislang keinen nennenswerten Traffic zurück. Ihr Anteil liegt bei gerade einmal 0,1 Prozent, was verdeutlicht, dass auf einen Klick aus einer KI-Anwendung immer noch 831 Klicks von Google kommen.
Maßnahmen gegen unerwünschte Crawler
Um der Flut von automatisierten Anfragen Herr zu werden, haben viele Betreiber:innen begonnen, bekannte Crawler proaktiv zu blockieren oder restriktive robots.txt-Einträge zu setzen. Laut Tollbit hat sich die Zahl der abgewehrten Anfragen im vergangenen Jahr vervierfacht. Doch der Erfolg dieser Maßnahmen ist begrenzt. Rund 13 Prozent aller KI-Bots ignorieren einfach die geltenden Regeln, und die Tendenz ist steigend.
Besonders auffällig ist, dass Crawler von OpenAI, Meta, ByteDance und Perplexity trotz Verbots regelmäßig auftauchen und Inhalte für ihre Angebote abgreifen. Dies zeigt, dass die Betreiber:innen oft gegen einen unsichtbaren Feind kämpfen, der sich nicht an die etablierten Regeln hält. Die Herausforderung besteht darin, die Kontrolle über die eigenen Inhalte zu behalten, während gleichzeitig die Reichweite und Sichtbarkeit im Netz erhalten bleiben.
Auswirkungen auf die digitale Wirtschaft
Die aktuellen Entwicklungen setzen das Web und insbesondere die Geschäftsmodelle von Publishern und Verlagen unter Druck. Für Unternehmen, die auf Reichweite, Werbung und Abos angewiesen sind, stellt die Dominanz der Bots ein ernsthaftes Risiko dar. Inhalte werden massenhaft von KI-Systemen genutzt, ohne dass dies in Form von Klicks oder Einnahmen zurückgespielt wird.
Fachleute fordern daher verbindliche Vorgaben, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. KI-Agenten sollten sich eindeutig zu erkennen geben und für die Nutzung von Inhalten zahlen. Bis jedoch solche Regeln umgesetzt werden, bleibt es Realität, dass menschlicher Traffic immer knapper wird und Bots das Web dominieren. Die Frage ist, wie sich die digitale Wirtschaft anpassen kann, um in dieser neuen Ära bestehen zu können.
Ein Blick in die Zukunft
Die digitale Welt steht an einem Scheideweg. Die Frage, wie Inhalte im Internet verteilt und monetarisiert werden, ist von zentraler Bedeutung. Die Zunahme von Bot-Traffic und die Veränderungen im Nutzerverhalten fordern innovative Lösungen und Anpassungen. Publisher und Verlage müssen sich strategisch neu aufstellen, um den Herausforderungen der Automatisierung zu begegnen.
Es bleibt unklar, wie die Zukunft des Internets aussieht und welche Rolle echte Besucher:innen in einer zunehmend automatisierten Welt spielen werden. Wird es gelingen, ein Gleichgewicht zwischen automatisierten Prozessen und menschlichem Nutzen herzustellen, oder wird die digitale Landschaft weiter von Bots dominiert werden?



